Den Schurl ereilt
ein Drang
“Kreimlhuber,
ich will deine Erinnerungen nicht stören, doch hat die Gegenwart Besitz von mir
ergriffen, der Most rumort in meinen Gedärmen,” läßt jetzt der Schurl in
Kreimlhubers sentimentale Erinnerungen platzen. “ Wo ist denn bei dir das Häusl?”
“Hinter dem Haus,” lacht Kreimlhuber, “Dort wo das Häusl hingehört.”Daraufhin
erhebt sich der Schurl, und wandert hinter das Auszugshaus, wo er ein Häusl
findet, dessen äußerer Zustand nicht viel Gutes verspricht. Etwas windschief
ist es. der Zahn der Zeit hat ihm bereits mächtig zugesetzt, und der Schurl
wundert sich, daß es nicht in sich zusammen fällt, wie er die Tür mit dem
ausgeschnittenen Herzerl öffnet. Dem Schurl graust ein bisserl, wie er den
Holtdeckel ab nimmt und sich auf das Loch im Holzbrett setzt, dessen Ränder
durch das jahrelange Benützen glänzend poliert sind. Das einzige was dem
Schurl positiv auffällt ist, daß das Häusl überhaupt nicht stinkt.
Nachdem sich der Schurl hörbar von seinem Überdruck befreit hat, reinigt er
sich mit dem, dazu rechts von ihm am Brett liegenden, feinsäuberlich
zusammengeschittenen Zeitungspapier. Er erkennt, daß es sich dabei um die
Kronenzeitung handelt. Diese eignet sich sehr gut für diesen zweiten Benützungsweg,
muß sie doch auf Grund ihres Kleinformates nur zwei mal auseinander geschnitten
werden.
Um die Presse für den Endverbrauch umzufunktionieren wären da bedeutend mehr
Schnitte notwendig.
“Der
Standard,” denkt sich der Schurl jetzt schelmisch, “der Standard würde rein
farblich am Besten auf´s Häusl passen.
Dagegen wären die
färbigen, täglich und wöchentlich erscheinenden Zeitungen ungeeignet, da sie
auf Glanzpapier gedruckt sind, und Glanzpapier saugt nicht sondern schmiert
nur.” Schurl erkennt daraus, warum solche Zeitungen auch Schmierblätter
genannt werden.
Dann verschließt
Schurl das Loch wieder, und verläßt das Häusl. Draußen beim Brunnen wäscht
er sich seine Hände. Dann setzt er sich zum
Juhann Kreimlhuber sen.
“Und hast du es
gefunden?” fragt ihn dieser.
“Habe ich,”
antwortet Schurl, “aber ohne dich beleidigen zu wollen, dein Häusl befindet
sich in einem denkbar schlechten Zustand.”
Darauf der
Kreimlhuber: “Das kann ich weder bestätigen, noch verneinen, ich habe es
schon lang nicht mehr benützt.”
“Bezieht sich
dieses lange auf Stunden oder auf Tage?” will Schurl jetzt wissen.
“Ich würde
sagen auf Jahre, oder besser auf Jahrzehnte,” erklärt ihm der alte Seebauer,
“ich glaube es war 1973, wie wir die Sanitäreinrichtungen im Auszugshäusl
eingebaut haben. Wir haben das Auszugshaus damals völlig hergerichtet, weil wir
es an Gäste vermietet haben.” “Heißt das du hast mich auf das alte,
windschiefe Häusl geschickt, obwohl du im Haus eine moderne Toilette
besitzt?” erbost sich nun der Schurl.
“Natürlich, du
hast mich ja nicht nach der Toilette, sondern nach dem Häusl gefragt,” lacht
der Seebauer. Da steht Schurl auf, und geht noch einmal zurück hinter das
Auszugshaus. “Was tut er denn jetzt?” denkt sich der Johann Kreimlhuber.
Doch da Schurl
kommt auch schon wieder zurück und sagt: “1972 im August war es Seebauer,
1972, und nicht 1973 hast du dein Häusl stillgelegt.”
Diese Aussage
verblüfft den alten Seebauern. “Wie, mein lieber Schurl, wie kommst du zu
dieser exakten Erkenntnis?”
“Ich habe nur
auf das Datum der Zeitung im Häusl geschaut,” erklärt Schurl dem Johann.
Der schenkt
daraufhin zwei Stamperl Schnaps ein, und trinkt mit dem Schurl auf diese
Erkenntnis.
Inoffizielle
Bauernregel zum Thema Häusl
ist
das Häusl schon besetzt!
Ende der
inoffiziellen Bauernregel zum Thema Häusl