Meteorologie

Halophänomen vom 7. September 2009 in Schlägl

Ein kleinräumiges, aus Westen kommendes und in Richtung Osten ziehendes Cirrenfeld zog am Vormittag des 7. September 2009 über die nördlichen Teile von Oberösterreich. Bereits um 09:40 MESZ zeigten sich eine schwache linke 22°-Nebensonne und der obere Berührungsbogen, beide mit einer Helligkeit von 1 auf der vierteiligen Skala (0: sehr schwach, unter Umständen nur mit Halospiegel oder Sonnenbrille sichtbar; 1: schwach, wenig auffällig; 2: hell, auffällig, auch Laien werden aufmerksam; 3: sehr hell, blendend, gleißend, sehr auffällig). Um 09:50 MESZ folgte die rechte 22°-Nebensonne, ebenfalls mit Helligkeit 1. Während meiner Gartenarbeit (Holzspalten - der nächste Winter kommt bestimmt ) kontrollierte ich nur gelegentlich den Himmel nach Halos, sodass ich den tatsächlichen Beginn des Phänomens verpasste. (Definition: Ein Halophänomen besteht mindestens aus 5 verschiedenen Einzelerscheinungen). Ab 10:40 MESZ zeigten sich Teile des Horizontalkreises im Gegensonnenbereich (H = 2) und als große Überraschung die helle Gegensonne (H = 2).

Es gibt 2 Möglichkeiten der Halobeobachtung: 1. exakte Dokumentation der Zeiten des Beginns und des Endes der Einzelerscheinungen sowie deren Veränderungen oder 2. einfach nur schauen und sich an der Vielfalt und Großartigkeit eines derartigen Phänomens zu erfreuen. Meine Wahl fiel an diesem Tag leicht: Ich habe mich für Nummer 2 entschieden! Somit können im  Nachhinein die exakten Zeiten nicht mehr angegeben werden, und die zeitliche Abfolge ist nur mehr mit Hilfe der zahlreichen Fotos möglich.

Der Höhepunkt des einzigartigen Phänomens fiel in die Zeit zwischen 11:00 und 11:30 MESZ:

Einzelerscheinungen Helligkeit
22°-Ring 2
linke und rechte 22°-Nebensonne 2
umschriebener Halo 2
Parrybogen 0
Horizontalkreis 2
Gegensonne 2
linke und rechte 120°-Nebensonne 2
Wegeners Gegensonnenbogen 0
Supralateralbogen 0

Sowohl der Parrybogen als auch der Supralateralbogen waren nur für wenige Minuten und extrem schwach  zu sehen; so bereitete es auch größere Schwierigkeiten, beide  auf den Bildern  hervorzuheben. Große Überraschungen waren bei diesem Phänomen die sehr helle und farbige rechte 120°-Nebensonne und der teils farbige Wegeners Gegensonnenbogen.  

Mosaik des Phänomens (10 Einzelbilder):

Simulation des Phänomens für die Sonnenhöhe von 43° und Darstellung der sichtbaren Einzelerscheinungen zwischen 11.00 und 11:30 MESZ (rechts):

Simulation mit Halosim    © L. Cowley & M. Schroeder. All rights reserved. 

Download des Programms: http://www.atoptics.co.uk

22°-Ring, linke und rechte 22°-Nebensonne, umschriebener Halo, Horizontalkreis, Parrybogen, Supralateralbogen:

22°-Ring, linke und rechte 22°-Nebensonne, umschriebener Halo, Horizontalkreis, linke 120° Nebensonne:

Horizontalkreis, linke und rechte 120° Nebensonne, Gegensonne, Wegeners Gegensonnenbogen:

Meteorologie

© 2009 Karl Kaiser