Meteorologie

Halophänomen am 30. April 2013, Schlägl

Am späten Nachmittag des 30 April konnte über Schlägl im oberen Mühlviertel eine bemerkenswerte Kombination verschiedener Halos beobachtet werden. Aufmerksamkeit erregten zunächst ein sehr heller und vollständiger oberer Berührungsbogen und die rechte 22°-Nebensonne. Da die Sonne eben hinter einem Bergrücken untergegangen war, zeigte sich nur mehr der obere Teil des 22°-Ringes. Oberhalb der Sonne reichte eine schwache Lichtsäule bis etwa 15° hoch. Der Höhepunkt des Halophänomens war der vollständig entwickelte Supralateralbogen mit intensiver spektraler Farbaufspaltung im linken und rechten Bogenende. In seinem Scheitelpunkt berührte ihn der Zirkumzenitalbogen.

Die nachträgliche Bildbearbeitung brachte noch eine große Überraschung zu Tage: die obere Hälfte des 46°-Ringes! Sie vereinigte sich als nur schwach erkennbarer Kreisbogen mit beiden Enden des Supralateralbogens und ließ in ihrem Scheitelpunkt einen deutlichen Abstand zum Zirkumzenitalbogen frei.

Das Phänomen konnte ich zwischen 19:19 und 19:30 MESZ visuell und fotografisch erfassen; der genaue Zeitpunkt seines Beginns ist nicht bekannt. (Definition Phänomen: Ein Halophänomen besteht mindestens aus 5 verschiedenen Einzelerscheinungen).

Einzelerscheinungen Helligkeit *
22°-Ring 1
rechte 22°-Nebensonne 2
obere Lichtsäule 0
oberer Berührungsbogen 2
Zirkumzenitalbogen 1
Supralateralbogen 1
46°-Ring 0

* Skala der Helligkeit von Haloerscheinungen: 0: sehr schwach, unter Umständen nur mit Halospiegel oder Sonnenbrille sichtbar; 1: schwach, wenig auffällig; 2: hell, auffällig, auch Laien werden aufmerksam; 3: sehr hell, blendend, gleißend, sehr auffällig

Skizze des Halophänomens:

Bildbearbeitung: Manchmal ist es notwendig, Aufnahmen von schwachen Haloerscheinungen mit Programmen zu bearbeiten, um Details deutlicher sichtbar zu machen. Gelegentlich zeigen sich dann Halos, die der Beobachter übersehen hat oder aufgrund ihrer Kontrastarmut gegenüber dem mit Cirren behangenen Himmel unsichtbar geblieben sind. Zwei besondere Bearbeitungsmethoden wurden bei den hier gezeigten Aufnahmen angewendet: unscharfe Maskierung der Bilder und Bildung der Differenz der Farbkanäle rot und blau und anschließender Bearbeitung mit Helligkeit und Kontrast.

19:19 MESZ: 22°-Ring, rechte 22°-Nebensonne, oberer Berührungsbogen, obere Lichtsäule  19:19 MESZ: 22°-Ring, rechte 22°-Nebensonne, oberer Berührungsbogen, obere Lichtsäule, Zirkumzenitalbogen

(2. Aufnahmen sind unscharf maskiert)

 

19:20 MESZ: 22°-Ring, oberer Berührungsbogen, obere Lichtsäule

19:22 MESZ:  22°-Ring, rechte 22°-Nebensonne, oberer Berührungsbogen, Zirkumzenitalbogen, Supralateralbogen, 46°-Ring
2. Aufnahmen: unscharf maskiert, 3. Aufnahmen: Differenz der Farbkanäle rot und blau

 

19:24 MESZ:  Supralateralbogen
2. Aufnahmen: unscharf maskiert, 3. Aufnahme: Differenz der Farbkanäle rot und blau

Meteorologie

© 2013 Karl Kaiser

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