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Polarlicht vom 31. März und 1. April 2001

 

aurora241-1mi.JPG (10340 Byte)

Schlägl, 31. März 2000,  2130 MESZ: Nordlicht über Ulrichsberg und Hochficht ( weitere Bilder )

Foto: © Karl Kaiser; f = 35 mm; 1:2,8; Bel. 40''; Kodak Elite Chrome 400.

 

Am Freitag, den 30. März 2001 erreichte abends die Abonnenten der Mails von sun-earth-alert@skypub.com die folgende Polarlichtwarnung (ausschnittsweise wiedergegeben): Middle Latitude Auroral Activity WARNING - 30-31 Mar:

The major X-class solar flare observed at 10:15 UTC on 29 March was associated with a full halo coronal mass ejection. This ejected mass was clocked at an estimated velocity of about 1000 km/sec (based on visual SOHO imagery). ... Two (possibly three, but probably two) potentially influential coronal mass ejections are currently enroute to the Earth. The first disturbance is expected to impact the Earth sometime between 06:00 and 12:00 UTC on 30 March. The second is expected to impact late on 30 March or early on 31March (UTC days). The first disturbance should result in periods of moderate to strong auroral storming over the high and many middle latitude regions. The second disturbance is expected to produce periods of potentially stronger auroral activity on 31 March and possibly into 01 April.... It has the potential of producing major to brief severe storm level auroral activity that might become observable well into the southern middle latitude regions (central U.S., central Europe, etc). ......

Am Morgen des 31. März konnten vereinzelt in der Morgendämmerung in Mitteleuropa Polarlichter gesehen werden. Großartige Erscheinungen erlebten die Nordamerikaner; selbst aus Tucson/Arizona, nahe der mexikanischen Grenze, lagen Beobachtungsberichte vor (Polarlicht bis in eine Höhe von 75°(!) über dem Horizont, Info aus dem Polarlichtforum des AKM - Arbeitskreis Atmosphärische Erscheinungen -  http://www.meteoros.de/forum.htm). Der Kp-Index erreichte den Wert 9! Am 31. März blieb die Aktivität den ganzen Tag auf hohem Niveau. Um 20 00 MESZ gaben die Grafiken bei http://www.meteoros.de/polar/polwarn.htm Anlass zu größter Freude: Die Geschwindigkeit des Sonnenwindes lag bei 650 km/s, das Magnetfeld war deutlich südgerichtet. Der Kp-Balken zeigte den Wert 7 an. Das kräftig rote Aurora-Oval reichte bis nach Norditalien. Also beste Aussichten auf eine erfolgreiche Beobachtung in Österreich!

Und wirklich: Ab 2130 MESZ konnte ich das Polarlicht bei anfangs eher schlechten atmosphärischen Bedingungen (Dunst, Streulicht der Ortschaften im Mühltal, Mond fast halb) überm Böhmerwald sehen und fotografieren. Mein Beobachtungsort war diesmal Mitterreith (am Höhenrücken zwischen Großer und Kleiner Mühl, Gemeinde Schlägl; 850 m ü. NN, 13° 55' 54'' E, 48° 38' 24'' N).

Rote Flächen, rote und weißliche Strahlen zeigten sich etwa im Bereich 30° östlich bis 30° westlich des Nordpunktes, die Höhe der Aurora schätzte ich auf 30°. Eine größere Ausdehnung des Polarlichtes ließ sich später auf den Dias erwartungsgemäß finden. Das Aktivitätsmaximum lag im NNW. Der 1. Ausbruch des Nordlichtes dauerte bis ungefähr 22 30 MESZ. Der Dreistundenmittelwert des Kp erreichte die Stufe 8! In den folgenden Stunden schien mir der Himmel zwar gelegentlich rot gefärbt zu sein, mit absoluter Sicherheit konnte ich das Polarlicht aber fast nie  erkennen. Erst die Fotografien bestätigten, dass die Aurora den Nordhimmel während der gesamten Beobachtungszeit leicht rot eingefärbt hatte. Ein mitternächtlicher Anruf von Mark Vornhusen (Eggenfelden, Bayern, Moderator des Polarlichtformus ) ermunterte mich, noch länger zuzuwarten, da eben eine neue Schockfront von den Satelliten gemessen worden sei. Und tatsächlich kam sie wenig später auch an - die neuerliche Aktivität dauerte von etwa 0045 bis 0120 MESZ. Wieder zeigten sich wunderbare Strahlen, die im Norden einen leicht grünlichen horizontnahen Bereich umschlossen (Kp - Mittelwert 6). Die Durchsicht der Atmosphäre hatte sich inzwischen deutlich gebessert, der Mond war knapp vorm Untergang. Um 0200 MESZ beendete ich meine Beobachtungen. Ein anschließender Blick ins Internet zeigte, dass die Aktivität nun tatsächlich vorüber war; dafür herrschte Hochbetrieb auf der Polarlichtforum-Site: Meldungen von "ganz" Mitteleuropa über erfolgreiche Sichtungen!

Vergleich mit dem großen Polarlicht vom 6./7. April 2000: Die Farbintensität der Aurora war während des gesamten Beobachtungszeitraumes deutlich geringer, die visuelle Ausdehnung des Lichtes kleiner. Auffallend war das fast vollständige Fehlen des grünen Polarlichtes.

Übersicht der Polarlichtbilder vom 31. März / 1. April 2001

 

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© 2001 Karl Kaiser