image1.GIF (938 Byte)Meteorologie

Wissenswertes über Gewitter image3.gif (936 Byte)

Bemerkenswert starkes Gewitter im oberen Mühlviertel am 17. August 2001

(k.kaiser@eduhi.at)

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image3.gif (936 Byte) Übersicht der Blitzbilder und Bäume

Am 17. August 2001 entlud sich eines der heftigsten Gewitter seit mehreren Jahrzehnten im oberen Mühlviertel. Am frühen Abend (ca. 19 Uhr MESZ) konnten die ersten Blitzentladungen im Raum Ulrichsberg (Entfernung etwa 7 km) und nordwestlich davon überm Böhmerwald von Schlägl aus beobachtet werden. Es schien, als ob uns schon während der nächsten halben Stunde das Unwetter erreichen könnte. Überraschend war allerdings, dass die Stärke des Gewitters deutlich nachließ und es den Anschein hatte, als wäre die Aktivität zu Ende. Um 20 Uhr war im Westen nur mehr schwacher Donner zu vernehmen. 30 Minuten später änderte sich die Situation schlagartig: Zahlreiche und gut sichtbare Linienblitze endluden sich jenseits des Mühlrückens im Westen (im Bereich Peilstein und Julbach). Innerhalb weniger Minuten verkürzte sich die Zeit zwischen Aufleuchten des Blitzes und Eintreffen des Donners auf ein paar Sekunden, und schließlich folgten Donnerschläge unmittelbar den Blitzen, und dies fast eineinhalb Stunden lang. Beinahe ununterbrochen war die Landschaft in helles Licht getaucht. Eindrucksvolle und reich verzweigte Linienblitze erreichten vor und hinter dem Horizont den Boden. Mehrere Blitze schlugen innerhalb von 1 km Entfernung zum Beobachter ein; der kürzeste, später noch feststellbare Abstand zu einem Einschlagspunkt lag bei 270 m (2 Bäume weisen deutliche Verwüstungsspuren auf). Um 22 Uhr war das Unwetter über den Böhmerwald in Richtung NE abgezogen, Wetterleuchten zeigte sich aber noch Stunden später. An diesem Tag entluden sich im mitteleuropäischen Raum zahlreiche, teils heftige Gewitter.

Die außergewöhnliche Natur des Gewitters äußert sich in der Gesamtzahl der elektrischen Entladungen an diesem Abend. Die ALDIS-Blitzortungskarte mit Entladungen von 18 bis 2 Uhr MESZ verzeichnet 1016 Blitze im weiteren Bereich von Schlägl (Schlägl im Mittelpunkt eines Quadrates von 21 km Seitenlänge). Erkennbar ist, dass die starke Aktivität vorerst nur im Westen aufgetreten ist und die Gewitterzone erst um etwa 20 40 Uhr MESZ unser Gemeindegebiet erreicht hat.

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Für die Genehmigung zur Verwendung des Bildes danke ich herzlich Herrn Dr. Gerhard Diendorfer von ALDIS.

Blitzortungskarte: © ALDIS

 

blitzkarte20010817m.JPG (42807 Byte) Im Laufe der nächsten Tage und Wochen fotografierte ich in Schlägl und 2 Nachbargemeinden (Öpping und Berg bei Rohrbach) zahlreiche vom Blitz getroffene und teilweise zerschmetterte Bäume. Bei der großen Blitzzahl des Abends waren bestimmt wesentlich mehr Einschläge in Bäumen erfolgt, als ich gesehen hatte. Einige Blitzbäume konnte ich selber entdecken, vom Großteil erfuhr ich durch Umhören in der Bevölkerung. Trotz der Heftigkeit des Unwetters führte nur 1 Blitzschlag zu einem Brand im Bezirk Rohrbach: In Niederwaldkirchen, etwa 22 km SE von Schlägl, brannte ein Bauernhof. Mehrmals traten aber in der Nähe der untersuchten Entladungen durch indirekte Blitzschläge Schäden in Häusern auf.

© BEV 2002, Zl. 41195/01

Für die Erlaubnis zur Verwendung des Kartenausschnittes aus Austrian Map, 1:50 000 danke ich dem Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen

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Der Kartenausschnitt zeigt die Blitzschläge vom 17. August 2001 (rot) und Einschläge vergangener Jahre (blau). Wählen Sie bitte zwischen mittel (136 kB) und hoch aufgelöstem (239 kB) Bild.

image3.gif (936 Byte) Übersicht der Blitzbilder und Bäume

Schäden an Bäumen

Durch die plötzlich auftretenden hohen Temperaturen beim Blitzeinschlag verdunstet Wasser explosionsartig und erzeugt einen gewaltigen Überdruck, der die Baumstämme spaltet und zerreißt. Die sichtbare Schadenswirkung ist einerseits abhängig von der Stärke des Blitzes, andererseits aber auch von der Baumart und dem Wassergehalt im Holz. Die geringsten Spuren des Einschlages fand ich bei den Föhren, gefolgt von der Eiche. Ein Aufenthalt in ihrer Nähe wäre vermutlich ebenso tödlich wie ein Schutzsuchen bei einem Baum, den die Gewalt des Blitzes zerreißt.

Die Schäden an den Bäumen zeigten sich in unterschiedlicher Form. So wurden manche Bäume vom Blitz beinahe völlig zerschmettert, während bei anderen Stämmen "nur" große und viele Meter lange Späne herausgerissen wurden, der Baum aber stehen blieb. Oft wurden lange Rindenstücke abgelöst, Wipfel abgesprengt oder im Holz entstand ein deutlicher Riss. Auffallend war, dass bei Stämmen zweier benachbarter Föhren nur einseitig ein wenige Zentimeter breites Rindenstück herausgerissen wurde und der Stamm nur andeutungsweise einen Riss zeigte.

Fichtebaum258-17.JPG (24276 Byte) Rotföhrebaum258-29.JPG (23256 Byte)

Interessant war die Tatsache, dass an 6 Lokalitäten jeweils 2 vom Blitz getroffene Bäume in unmittelbarer Nachbarschaft standen. Immer zeigte sich bei einem der beiden Bäume eine stärkere Zerstörung. Gab es hier 2 Fangentladungen, die dem Vorblitz entgegengerichtet waren? Eine der beiden hätte den Hauptblitz abgeleitet, während die zweite eine "kleine" Verästelung des Blitzes dargestellt hätte.

Viele vom Blitz zerstörte Bäume standen nahe oder am Waldrand; kein Baum ragte überdurchschnittlich hoch aus seiner Umgebung heraus. Erwähnenswert ist ein Blitzschlag im Frühjahr 2000, bei dem eine 30 cm dicke Eiche getroffen worden war. Sie war deutlich niedriger gewachsen als die Fichten in ihrer unmittelbaren Umgebung. An zwei Stellen (Breitenstein und St. Wolfgang) schlugen in den vergangenen Jahren gehäuft Blitze ein. Eine genauere Untersuchung dieser Standorte (Wasseradern, Erdstrahlen) wäre interessant.

Auflistung der Blitzbäume: Durch Anklicken der roten und blauen Felder der Tabelle finden Sie Beschreibungen und Bilder.

Link zu Übersicht der Baumbilder
  Baumart Höhe *

Basisdurchmesser

Alter

Entfernung vom Beobachtungsort
           
1 Fichte 35 m 60 cm 80 Jahre 2,12 km
2

Fichte

35 m 60 cm 70 Jahre 2,12 km
3 Rotföhre 25 m 40 cm   1,31 km
4 Rotföhre 25 m 40 cm   1,31 km
5 Fichte 40 m 80 cm 95 Jahre 1,07 km
6 Tanne 35 m 65 cm 135 Jahre 570 m
7 Fichte 30 m 40 cm 75 Jahre 1,09 km
8 Pappel 30 m     270 m
9 Pappel 30 m     270 m

10

Esche      

930 m

11 Esche   1 m 130 Jahre 980 m
12 Fichte 35 m 90 cm   5,19 km

13

Fichte 40 m 80 cm 140 Jahre 1,90 km
14 Tanne 30 m 45 cm   4,78 km
15 Tanne 27 m 40 cm   4,78 km
16 Pappel 8 m 15 cm   3,60 km

17

Pappel 30 m 75 cm   3,60 km
18 Tanne   55 cm   4,38 km
19 Fichte 40 m 60 cm   1,91 km
20 Fichte 40 m     4,82 km
21 Fichte 40 m 80 cm   5,60 km
22 Tanne 25 m 35 cm 130 Jahre 2,01 km
           
           
1 Fichten       2,06 km
2 Eiche 15 m 30 cm   490 m
3 Fichten      

1,09 km

4 Pappel       290 m
5 Fichten       1,81 km
6 Tanne       2,16 km
7 Fichte       2,39 km
8 -       0,7 - 1 km
9 -       806 m
10 -       671 m
11 -       40 m
           
* Die Angaben über die Baumhöhe sind Schätzwerte

Blitzfotografie

Erstmals habe ich versucht, Blitze zu fotografieren. Der Blendenwert von 16 bei einem Agfa CT 100 war trotz der Helligkeit und Zahl der Blitze (die Landschaft war fast ununterbrochen in helles Licht getaucht) zu klein gewählt. Den Verschluss hatte ich auf "B" eingestellt und nach mehreren kräftigen Entladungen die aktuelle Aufnahme beendet.  Die Blende werde ich künftig bei gleicher Filmempfindlichkeit auf den Wert von 5.6 einstellen. Die Dauer der Belichtung muss sich nach der Entfernung, der Zahl und der Helligkeit der Entladungen richten. Zu lange Aufnahmezeiten hellen Vordergrund und Wolken stark auf. Beste fotografische Resultate liefern "trockene" Gewitter, bei denen sich die Leuchtspur selbst aus größerer Entfernung klar abzeichnet.

image3.gif (936 Byte) Übersicht der Blitzbilder und Bäume

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© 2002 Karl Kaiser