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The Zipper
Lull | Leo Records
www.allaboutjazz.com , 29. Jänner 2010 (Übersetzung: Brian Dorsey)

Von Glenn Astarita

Begeisterung, bewandertes musikalisches Können und Schlagkraft sind durch diese vier europäischen Instrumentalisten, die sich nach einer Trennung vor ungefähr vier Jahren wiedervereinigt haben, in einem abenteuerlichen Programm verschmolzen. Praktisch möge der Gruppenname als Antithese für das stehen, was das Quartett anzubieten hat. In der Tat sind sie nicht bestrebt, irgendjemanden in einer Form der kosmischen Glückseligkeit einzulullen.

Dieses Quartett sät die Samen für Avantgarde-Kammerjazz und halbstrukturierte Liederformen um ihre belebten Improv-Attacken zu ergänzen. Einer ihrer Hauptzutaten ist jedoch innerhalb der Fähigkeit, Raum als einen Ausgangspunkt zu nützen, verwurzelt. Die knallenden und gefühlsgeladenen Linien der Saxophonistin Tanja Feichtmair schaffen die Voraussetzungen für heftige Free-Bop Passagen und die Drosselung von Pulsen und Schwungkraft. Lull senkt die Hitze ab, aber lässt sich auf glatte und geschlängelte Dialoge ein, wo das Ensemble oft eine multidirektionale Herangehensweise einsetzt, in Übereinstimmung mit nach innen gerichteten Interluden.

Oft träufeln die Stakkato-Phrasierungen und kantigen Gegensätze des Cellisten Uli Winter Spannungsabsichten ein, inmitten von Keyboarder Josef Novotnys aufsteigenden und strukturellen Ausführungen. In „The Zipper“ deutet Feichtmairs Bassklarinette einen dämpfenden thematischen Aufbau an, der von Schlagzeuger Fredi Prölls flinken Brushes und Winters fließenden niedrigeren Registern nett getönt sind. Vollendet wird das Programm mit „Longing For Poetry“, wo die zyklischen, aus einer Note bestehenden Phrasierungen der Saxophonistin und unterschwelligen Effekte Novotnys die Hauptrollen spielen. Hier geht die Formation mit einem maßvollen, durch Winters knarrende Muster eingeätzten Rumpeln vor, während die Band das Tempo anschließend beschleunigt und durchgehend leuchtende Bilder erschafft. Das ist experimentelle Musik, die das Herz berührt und mit ergreifendem Gefühl hervorquillt; diese Attribute allein sprechen monumentale Bände.

Trackliste: The Latchkey; Stide The Stroke; Subversive Activities; The Zipper; The Tittle-Tattle; Longing For Poetry.

Personal: Tanja Feichtmair: Altsaxophon, Bassklarinette; Josef Novotny: Klavier, Electronics; Uli Winter: Cello; Fredi Proll: Schlagzeug.

freiStil - Juli 2009
Plasmic feat. Agnes Heginger

Ein amtliches, astreines Impro-Album legt diese Oberösterreich-Steiermark-Wien-Connection
vor, deren Herkunft weder erkennbar ist noch die geringste Rolle spielt (abgesehen von Winters
und Prölls Mitwirkung am Impro-Epizentrum Ulrichsberg, das aber bekanntlich auch mehr auf die
internationalisischen Ideale der französischen Revulution setzt als auf Heimattümelei).
"Dr. AU" setzt mit dem gleichnamigen Stück ein, das man bei einem Blindfold Text locker auch
Alexander von Schlippenbach zuschreiben könnte. Wo mit Schub gearbeitet wird, klingen die Größen
des Freejazz punkttuell durch; wo das Tempo herausgenommen wird, kommt es unweigerlich zur
Akzentverschiebung. In den Vordergrund treten dann die singulären Fähigkeiten dieses Quartetts:
die tolle, eindringliche, wechselfreudige Stimme von Agnes Heginger, die eigentlich in diversen Alten
Musiken ihr Zelt aufschlug; das prägnante, kräftige, stellenweise very britishe Klavierspiel von
Elisabeth Harnik; das zarte bis harte, leichtfüßig vom Violon- zum Violence-Cello überspringende
Spiel von Uli Winter; schließlich der sägende bis rund und polyrhythmisch, auf gefühlte Jones- oder
Moholo-Art trommelnde Fredi Pröll.
Und das Beste ist: Zusammen passt alles wie angegossen. Sehr fesch (felix)

SKUG August 2009
Dr. AU mit Plasmic feat. Agnes Heginge
Michael Franz Woels

Das Plasmic-Quartett fungiert als gemischtes Doppel, bei dem es Schlag um Schlag, Ton um Ton im frei improviesierten Fair-Play-Modus in neuen Sätzen bzw. Stücken so richtig schweißtreibend zur Sache geht. Neben aufgekratzt-schmerzverzerrter Vokal-Akrobatik von Agnes Heginger gibt es auch Zeit und Raum für mikrotonale Instrumental-Sektionen am Cello von Uli Winter oder am Piano von Elisabeth Harnik. Fredi Pröll rhythmisiert das ganze therapeutisch, macht quasi Akustikpressur. Die Vergegenwärtigungen höchster musikalischer Sit-Kom (Situations-Komposition) glänzen mit Variabilitäten der instrumentalen Grundkräfte Gesang-Piano-Cello-Drums. Den Hörerinnen dürfte die Geschlechterparität erfreuen, die sich angenehm auf die Konturierungen der einzelnen Stücke auszuwirken scheint. Eine konzise Befundung sei der geneigten Hörerinnenschaft überlassen, meine Ferndiagnose attestiert jedenfalls Trennungsschmerzen bei Verlust einer Plasmic-CD wie dieser.


Programmheft
Festival 4020-Linz (Gott), November 2009
Plasmic feat. Agnes Heginger

Die Musik von Plasmic setzt eine aktives und waches Sich-Öffnen für ihre Brüche, Umwege, Eigenarten und Eigenwilligkeiten voraus. „Improvisation“, so die Musiker dieses Kollektivs, „ist die Erkundung des Augenblicks und das behutsame Bauen auf die Schönheit der Eingebung. Wenn in den Weltreligionen die Natur ein Ausdruck göttlicher Kräfte und Mächte ist oder sogar selbst als heilig betrachtet wird, dann sind auch ihre Klänge göttlich. Musik erfahren wir mit unseren Sinnen, sie wirkt und jeder Ton wird zu einer Klangoffenbarung. Sie ist Teil des ewigen Wechselspiels, und im Erklingen und Verebben der Klänge zeigt sich das ewige Spiel vom Werden und Vergehen.“
Die beiden Ulrichsberger Uli Winter und Fredi Pröll bilden die Stammzelle des in verschiedenen Besetzungen auftretenden Improvisationsensembles Plasmic. Als festes Trio besteht Plasmic seit 2003; es wurde in den letzten Jahren immer wieder durch bedeutende VertreterInnen der europäischen Improvisationsszene zum Quartett und auch zum Quintett erweitert. Seit 2007 kooperiert Plasmic mit der Sängerin Agnes Heginger. Heginger hat schon zu Studienzeiten mit der Pianistin und Komponistin Elisabeth Harnik zusammengearbeitet.

freiStil - Juli 2005
V:NM - Festival Graz 2005
Bibsn Soundog:
Katharina Klement, Elisabeth Harnik, Uli Winter, Josef Novotny, Fredi Pröll
klanggewordene Feinzeichnungen von großer interaktiver Subtität und intelligenter elektronischer und akustischer Parität.

freiStil - Juni 2005
Wo wühlen sie denn?
ULRICHSBERGER KALEIDOPHON, 5.-7.Mai
Genauso aufwühlend wie die Grabungsarbeiten für den Anschluss Ulrichsberg zur Nahwärme und zur Neugestaltung des Marktplatzes gestaltete sich die Musik beim 20. Kaleidophon im Jazzatelier nicht oder nur selten. Beste Beispiele für die Ausnahmen von der Regel:
...Mal d´Archiv...Fieldwork...Alexander Schlippenbach und das Plasmic Quintett mit den Local Heros Uli Winter und Fredi Pröll. ...
...So entsteht im Mal d´Archiv Elektrizität durch Reibung, und alles hat Hand und Fuß. Ähnlich schlüssig in Konzeption und Durchführung: das Plasmic Quintett von Harnik/Pröll/Weber/Winter/ Wolfarth. Stille Interaktionen bei freiwilligem Hierarchieverzicht, die das Material mit viel Geduld zumSChwingen bringen, indem sie es Schicht für Schicht von trafierten Klischees und Hörgewohnheiten befreien. ...

STANDARD / Ulrichsberger Kaleidophon
DIE LEBENDIGKEIT DER MUSIKRÄNDER
Klassikertreffen beim Kaleidophon-Festival
...Immerhin achtbar schlug sich Elisabeth Harnik: Die Junge Grazer Pianistin entwickelte sich als disziplinierte Motiventwicklerin, die ihre Energien in wellenartigen Steigerungen ausspielte und so die zwischen Abstraktion und Puls-Andeutung changierende Interaktion der Tandems Uli Winter / Fredi Pröll und Christian Weber / Christian Wolfarth dirigierte. ...

NÖN:
KONZERT / "Shineform und Va Servito Ben Fresco" verschmolzen mit dem Publikum zu harmonischer Symbiose.
HÖRERLEBNIS DER SUPERLATIVE
Amstetten / Am Freitag ging ein außergewöhnliches Konzert im Cafe "Zum Kuckuck" über die Bühne. Uli Winter, Alfred Pröll, Georg Edlinger und Volker Kagerer begeisterten das zahlreiche und höchst konzentrierte Publikum mit kollektiv frei improvisierter Musik.
Ein 70-minütiger dynamischer Spannungsbogen zwischen pianissimo und fortissimo, eneriegela-dene Trommelkunst, flankiert von Violoncello und Bassbaritongitarre verschmolzen zu einer stren-gen wie anarchischen Klangskulptur. Mit an ein Wunder grenzende Selbstverständlichkeit agieren das eigens für dieses Konzert zusammengestellte Quartett. Einen Gutteil zum Gelingen trug das aufmerksame und disziplinierte Publikum bei.
Uli Winter begeisterte am Violoncello gemeinsam mit seinen Kollegen im Cafe "Zum Kuckuck". Viel zum Gelingen trug das disziplinierte Publikum bei, desnn es entwickelte sich eine perfekte Sym-biose zwischen Musiker und Zuhörer. Und das Resultat war dementsprechend ein Hörerlebnis der Superlative.

   

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VA SERVITO BEN FRESCO
Fredi Pröll, Stangl 22, A-4161 Ulrichsberg, fredi.proell@gmx.at 0+43 664 / 86 67 159
Uli Winter, Freundorf 79, 4163 Klaffer, vaservito@eduhi.at +43 676 / 81 35 66 34