EU-SLIPPERS / 2011

Text: Mag. Reingard Klingler MA Visual Culture, 2012

EU-Slippers – Gedanken zum Verhältnis von Kunst und Geld
Die Künstlerin Charlotte Wiesmann untersucht in ihren neuesten Arbeiten auf witzig, ironische Art unser Verhältnis zum Geld. Täglich sind wir in den Medien mit Fragen konfrontiert wie „Worauf baut der Geldwert auf? Wie sicher ist unser Geld? Wie steht es um unsere Kaufkraft? Wie konkurrenzfähig ist der Wirtschaftsstandort Europa?“ Mit poetisch-künstlerischen Mitteln setzt sich die Künstlerin in der Arbeit „EU-Slippers“ mit all diesen Fragen auseinander.
Pantoffel aus Geldscheinen – auf den ersten Blick ein Bild des Überflusses! Ein Inbegriff des sich Zuhause-Fühlens, eine Metapher der Gemütlichkeit und Sicherheit. So gesehen steht der „Geldpantoffel“ für Sicherheit, ähnlich wie die sprachliche Formulierung „ein gutes finanzielles Polster,“ ebenfalls ein Bild ist für die Ruhe und Sicherheit, die Geld bedeuten kann.
Wären doch die Scheine nur nicht geschreddert! Als Ausgangsmaterial für die „EU-Slipper“ verwendet Charlotte Wiesmann geschredderte Euro-Banknoten und zeigt somit, was in der Kunst nach dem Ende des Geldes möglich ist, wie es sich zu neuen Zeichen formieren lässt. Das flockig-flauschige „Ende des Geldes?“ Ob wir Glück, Liebe oder Sicherheit mit Geld kaufen können bleibt offen, Kunst und die reizvollen poetischen Arbeiten zum Geldwert können Sie auf jeden Fall erwerben, - investieren Sie in Kunst – es ist ein bleibender Wert!

/ EU slippers - thoughts on the art-money relationship
In her most recent piece of art the artist Charlotte Wiesmann explores in a witty, ironical way our relationship to money.
The media confronts us daily with questions like 'What is the value of money based on?, How safe is our money?, How about the buying power?, How competitive is Europe as a business location?'. Through poetic-artistic means the artist deals with all these questions in her work called 'EU-slippers'.

Slippers made out of bank notes - the first impression is one of exuberance! They epitomise the feeling of being at home, they are a metaphor of cosiness and safety. Looking at them in this light, the 'money slippers' stand for safety, similar to the expression 'a good financial cushion', as well as for the peace of mind and safety money can stand for.

If only the bank notes were not shredded! The base material of Charlotte Wiesmann's 'EU-slippers' were Euro bank notes and by doing so she shows what art is capable of after the end of the money, how money can be formed into new symbols. The fleecy-fluffy 'end of the money?' If we can buy happiness, love or safety with money keeps remains unanswered. In any way, you can purchase art and the poetic pieces of work - invest in art - its value will remain!

text:Mag.a Reingard Klingler MA (Visual Culture), 2012
translation: Elisabeth Sterlich


SALZBURGER KERAMIKPREIS 2010

"Der Salzburger Keramikpreis 2010 geht an Charlotte Wiesmann. Ihre Arbeit beeindruckte durch mehrere Möglichkeiten der Annäherung.
Das prämierte Werk aus dünnen Tonwülsten hat einen inhaltlichen Aspekt, die enorm hohe Zahl, die nicht entziffert werden kann (trotzdem hat sie eine konkrete Bedeutung). Die Form des in Worten geschriebenen Milliardenbetrags ist auch eine Anspielung auf die Heizspiralen eines Brennofens. Die Werke der Künstlerin laden zu Gedankenspiele ein, welchen Stellenwert hat die Zahl, warum möchte sie, dass man die Zahl nicht lesen kann? Die Inhaltlichkeit und die Materialität bilden einen spannenden Zusammenklang. (Jurybegründung)

Zur Ausstellung:
Text: Andrea Schaumberger
Die Preisträgerin Charlotte Wiesmann formt aus schwarzen gedrehten Ton-Schlangen Wörter, die erst gelesen werden können, wenn sie richtig an die Wand montiert wurden. Entziffern ist hier das Schlagwort, denn das fünf Meter lange Wort ist eine konkrete Zahl, die in Worten ausgeschrieben wurde. Es ist eigentlich unmöglich, diese zu lesen, eine Anspielung darauf, dass Zahlen dieser Dimension (in 100 Milliarden Höhe) unbegreiflich, nicht fassbar sind. In anderer Ebene sind die verdichteten Wortteile auch eine ironische Anspielung auf das Medium Keramik selbst. Bei großer Hitze verschmelzen die Heizspiralen in den Öfen oft zu solchen Knäueln.


VISUELLE POESIE MIT KONKRETEN ZAHLEN 2010

Text: Mag. Reingard Klingler MA Visual Culture
Weisse Galerie, Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz

Die Arbeit „In Worten“ ist eine dreidimensionale Plastik aus schwarzem Ton, es handelt sich um ein langes in Handschrift ausgeschriebenes Zahlenwort.
Wörter werden hier im wahrsten Sinne greifbar gemacht.
Ein fünf meterlanges Zahlenwort, zum einem ist es aufgrund der Länge schwierig, das gerade Gelesene im Gedächtnis zu behalten, zum anderen ziehen sich einige Buchstaben zusammen, so dass ein Entziffern im Entlanggehen unmöglich wird.
Ziffernzahl und Wortzahl, ein Spiel zwischen der Anschaulichkeit des Buchstabens und der Abstraktion des Zahlenwertes, wobei sich durch das Lesen der Buchstaben die numerische Darstellung der Vorstellung entzieht.
Ein subtiles Spiel mit unserer Wahrnehmung, denn auf der inhaltlichen Meta-Ebene wird uns ein Gedankenspiel aufgegeben.
Es ist nicht einfach eine beliebige Zahl, mit der sich die Arbeit beschäftigt, sondern es handelt sich um einen Betrag, der für Staatsbürger und Staatsbürgerinnen von Interesse ist und – für jeden im Internet abrufbar.
Hundertsechsundachtzig Milliarden Fünfhundertacht Millionen usw.,
die Staatsschulden Österreichs im August 2009.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen Kunst und Kultur von Budget-Kürzungen betroffen sind werden Fragen aufgeworfen unter anderem zu unserem Verhältnis zu Geld und damit zu gesellschaftlichen Werthaltungen. Poetische Fragen zum Geldwert, Zum Schein und Sein, zum Haben oder Sein (Erich Fromm).


EUROPEAN CERAMIC CONTEXT 2010

Text: Cécile Dujardin, University of Applied Arts Vienna (Katalog)

The artist`s seemingly sketchy scribbles are generally evidence to the place of exhibition. Numbers, words, recipes and short notes are mounted in modelled writing to be deciphered step by step by the viewer and - considering their dimension - are robbed of their meaning.

The density and the rhythm modify the words making them increasingly abstract. The words are converted into objects of hidden content, or a single word is condensed to its content, or three dimensional picture is added to the image of a word, all of which calls into question significance and meaning.


KUNST FLOW 2009

Text: Maren Richter (Katalog)

Charlotte Wiesmanns Arbeit bewegt sich zwischen Plastik, Grafik und Installation. Entweder verbindet sie die einzelnen Gattungen oder löst sie an ihren Grenzen wieder auf. Insbesondere mit dem Material Keramik experimentiert die Künstlerin seit ihrem Keramik-Studium in Linz sehr intensiv und lotet Ausdrucksmöglichkeiten aus. So ist zum Beispiel Sprache ein wesentliches und wiederkehrendes Element in ihren Werken. Unter anderem formt sie Wörter aus Tonrollen zu Texten und Phrasen die zum einen auf die jeweiligen Orte reagieren und zum anderen zeitkritische Gesellschaftsreferenzen im Umgang mit Sprache und Kommunikation sind.

Die Serie "Seltsame Blüten" (2007) etwa kombiniert Wörter mit Blüten zu assoziativen Paaren, ähnlich einer Pflanzenbestimmung. Charlotte Wiesmann verweist mit diesem Projekt auf die komplexe Beziehungsstruktur zwischen Natur und Wirtschaft, die gerade in den letzten Jahrzehnten zu einem globalen Politikum geworden ist. Die Wörter selbst entstammen einem Buisiness-Jargon, der nicht selten durch wirkungsvolle, aber oftmals auch leere Formeln bestimmt ist. Ressource, Faktor, Bedarf, Strategie, Chance, Partner, Austausch, Potential, Effizienz und Verfahren werden zu doppeldeutigen "Stilblüten". Das Element der Handschrift komplettiert die Taktik der Irritation. Letztendlich bleibt es dem Betrachter offen, welche Botschaft er dahinter sehen will.


STRIPES 2007

Digitale Fotomontagen 1-10, 2007
29 x 43cm, Auflage 3+2

Text: Brigitte Reutner
Leiterin der Grafik + Fotosammlung, Lentos

Nach ihrer Ankunft in Paliano, war – der Künstlerin zufolge - das Bedürfnis zu entspannen groß und sie wollte eine Hängematte haben. Auf einem Markt kaufte sie den rot und weiß gestreiften Markisenstoff.
Die Hängematte, die vorerst dem Akklimatisieren, dem Ankommen in südlichen Gefilden dient, wird in die Lüfte gehoben. Sie drängt dynamisch nach oben, tanzt im Wind, wird zum Ausdruck von Freude und Unbeschwertheit.
Wiesmann praktiziert einen spielerischen Umgang mit traditionsbeladenen Zitaten: das heraldische Motiv der Streifen wird kombiniert mit einer südlichen Pinienallee.
Stripes kennen wir von den „stars and stripes“ – der amerikanischen Flagge. Mit ihren streifenartigen Farbbahnen, mit denen sie eine Pinienallee überlagert, gelingt der Künstlerin zunächst ein vorsichtiges Andocken an ein fremdes Land. Pinien riechen nach Sonne, Süden und Urlaub. Während sich Wiesmann entspannt in ihrer Hängematte liegt, wachsen ihren Gedanken Flügel.
Ein hybrides Formenspiel entspinnt sich, das von den Bewegungsrhythmen des starken Wind inspiriert ist. Immer höher hinauf: ein streifenförmiges Gedankenexperiment, das in einer Art Performance den Boden der Realität immer mehr verlässt und sich verselbständigend in die Lüfte erhebt.
Konstruiertes bindet sich scheinbar selbstverständlich in einen natürlichen Kontext ein und setzt auch das Naturgegebene in Bewegung. Was dabei herauskommt, ist ein beschwingtes Arrangement, wie ein Tanz in den Wipfeln, losgelöst von der Gravitation sowie vom abgeschüttelten Alltag.

/…A hybrid play of forms begins to unfold inspired by the rhythm and movement of a strong wind. Higher and higher: a ‘striped experiment’ of thoughts, that leaves behind the ground of reality bit by bit; slowly becoming independent and enjoying being airborne.
In an apparently matter of fact way constructed ideas weave themselves into a natural context and set in motion the given nature as well. The end result is an exhilarating arrangement, like a dance in the tops of trees, unbound by gravity and set free from daily grind.

Brigitte Reutner, director of graphic art and collection of photography, Lentos Kunstmuseum, Linz