950 MILLIONEN
MENSCHEN!!

INDIEN FASZINIERT!
950 Millionen Menschen, 7. größtes Land der Erde, jahrtausende alte Kultur,
unvorstellbarer Reichtum und daneben schreckliche Armut!! Hoch
entwickelte Technologie, mittelalterliche Gerätschaften, intaktes
Traditionsbewußtsein und tiefe Religiosität. Wir
werden diese Reise nicht vergessen!

Die Rikschafahrer sind nicht allzu kräftig, ihre Fahrzeuge noch dazu
primitiv. Gangschaltung gibt es keine. Bergauf wird das zur
Tortur. Wie sollen wir Reiche reagieren? Gehen wir zu
Fuß, fehlt ihnen das Geschäft. Fahren wir mit,
verspüren wir ihre Belastung.

Der Schilderwald in der Altstadt von Benares ist überwältigend.
Heute heißt diese heilige Stadt am Ganges übrigens Varanasi.




Die junge Frau aus einer Brahmanenfamilie und ihre kleine Tochter leben wohl besser als der Friseur, dessen Arbeitsstätte der schmutzige Straßenrand ist. Die köstlichen Bäckereien wollten wir lieber nicht kosten. Zuviele Erzählungen gibt es darüber, wie wenig wir Europäer den schlechteren Hygienestandard der Inder vertragen. Das rechte Bild ist an der Grenze zu Nepal, noch in Nautanwa entstanden. Zu diesem Zeitpunkt, nach der endlosen ungeplanten Busfahrt von Varanasi, ist uns dieser Anblick schon längst vertraut.
GEGENVERKEHR!

Unser Busfahrer denkt nicht daran, auf die Bremse
zu steigen. Schließlich hat er sein Lenkrad
und die laute Hupe. Also kommt er
links am LKW vorbei!
INDIENINFORMATION
In Indien leben derzeit 950 Millionen Menschen oder mehr. Die Bevölkerung wächst jedes Jahr um etwa 2,3 Prozent! 26 Prozent dieser Menschen leben inzwischen im städtischen Bereich. Dort verlieren sie allmählich ihre traditionellen Wertevorstellungen und die soziale Absicherung durch die Großfamilie.
Die größten Städte sind Bombay, Delhi und Madras. Heute heißt Bombay Mumbai und zu Madras sagt man Chennai. Die heilige Pilgerstadt Varanasi am Ganges - man kennt sie auch unter dem Namen Benares - wurde zu Kashi. Der Grund für diese Umbenennungen liegt in der zunehmenden 'Indisierung' der letzten Jahrzehnte. Regionalismus und Nationalismus spielen heute eine größere Rolle. Wird das vermehrt zu Konflikten führen?
52,5% der Menschen leben unter der Armutsgrenze. Ihr Leben spielt sich vielfach im Freien ab. An nebeligen Abenden im Winter (im Jänner kann es von über 20°C in der Sonne bei Einbruch der Dunkelheit durchaus auf 5°C abkühlen; dafür gibt es kaum Regen) wärmen sich diese armen Menschen an zahlreichen Holzfeuern am schmutzigen Straßenrand. Dementsprechend rauh und rauchig ist dann die Luft. Später kriechen sie unter ihre Decken und in ihre Schlafsäcke, und so warten sie auf den Morgen. Am Land ist dieses Problem deutlich geringer. Dennoch streben viele in die Stadt.
Indiens Analphabetenrate beträgt 47%. Für viele Großfamilien zahlt es sich aus, ihre Kinder statt in die Schule zum Betteln auf die Straße zu schicken. Das bessert ihr Familieneinkommen spürbar auf - und es verlängert das Armutsproblem um eine weitere Generation. Deshalb soll man bettelnden Kindern kein Geld geben. Geld sollten nur Alte und Kranke bekommen. Kindern schenkt man Obst. Gibt man einem Bettler eine Kleinigkeit, ist man bald von zahlreichen weiteren Bettlern umringt, die nicht mehr weggehen.
Seit der wirtschaftlichen Öffnung 1991 entwickelt sich Indien in Richtung Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild. Als neuer Investitionsstandort für das internationale Kapital gewinnt Indien wegen der niedrigen Lohnkosten (ein gutes Monatseinkommen beträgt angeblich ca. S 2000,-) und des großen Reservoirs an qualifizierten Arbeitskräften immer mehr an Bedeutung. Weltwirtschaftlich von Bedeutung ist Indiens Anteil in der Computerindustrie, vor allem in der Herstellung von Software in Zusammenarbeit mit internationalen Großfirmen. Als wir für unsere Reise in Linz beim Lufthansa Schalter eincheckten, wurden unsere Daten sofort nach Indien transferiert. Viele Fluglinien lassen nämlich ihre Buchhaltung von indischen Firmen abwickeln. Die Mittelschicht in Indien ist durch diese Entwicklungen inzwischen auf 250 Millionen angewachsen. Ihre Kaufkraft wirkt sich bereits aus und man spürt auch schon die Vorbildwirkung. Zunehmend mehr Familien wollen ihren Kindern nun doch eine Schulbildung zu Teil werden lassen. Dennoch, in Indien selbst, nimmt jemand, der so eine kurze Reise unternimmt wie wir, diese neuen Entwicklungen kaum war. Zu sehr stehen sie noch am Anfang und zu sehr spielen sie sich im Verborgenen statt. Mich beunruhigt dieser Gedanke: Kann irgend eine Regierung jemals dieses enorme Armutsproblem lösen? Findet sie glaubhaft Wege, um die schreckliche Korruption, das zähle Beamtentum, die Apathie der armen Schichten in den Griff zu bekommen? Oder werden wieder nur die Reichen halt noch viel reicher?!
IM JULI 2002 KAM VON BARBARA TRAUTWEIN DIESE KARTE AUS INDIEN

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