So stirbt eine Stadt!
Wie die Menschen in Steyr zugrundegehen
(Von unserem Sonderberichterstatter)
Eine Stadt wird ermordet. Immer tiefer krallt sich die Krise in die Häuser und Herzen. Sie kratzt den Mörtel von den Wänden, kratzt Risse in die Mauern, öffnet den Ratten Spalten und Löcher. Sie wetzt an den Kleidern der Menschen, zernagt den Stoff und das Leder, zerbeißt das Schuhwerk. Sie saugt den Kindern das Blut aus den Adern, wischt das Leben aus den Gesichtern, schabt das Fleisch von den Knochen und füllt die hohlen Wangen mit Schatten des Todes. Sie bläst die großen Feuer in den Fabriken und die kleinen feuern in den Öfen der Wohnungen aus, schlägt den Männern und Frauen das Arbeitsgerät aus frierenden Händen, deckt sie mit Not und Verzweiflung zu. Diese Stadt, die da ermordet wird, war einst eine Arbeiterstadt; nun ist sie nur eine Stadt der Arbeitslosigkeit. Und der Staat, der für nichtswürdige Spekulanten und verbrecherische Bankiers Geld hat für die Stadt der Arbeitslosen hat er kein Geld. Sollen sie auswandern! Sollen sie zugrunde gehen! Sollen sie von der Krise ermordet werden! Für Arbeiter gibts kein Notopfer in der kapitalistischen Welt.
Die sterbende Stadt ist Steyr. Jahrelang hat sie tapfer mit dem Tode gerungen. Jahrelang hat sie SOS-Rufe gesendet, immer wieder, immer eindringlicher aber wenn irgendwo fern im Eismeer eine Expedition um Hilfe ruft, hört es ganz Europa, nimmt ganz Europa Anteil, wenn einige Eisenbahnstunden nah Tausende um Hilfe rufen, hört man es nicht. Nun liegt Steyr in Agonie.
42 Groschen täglich!
In dem alten gotischen Rathaus. Kulisse des Mittelalters, Tragödie der Gegenwart. In den alten Gängen, auf den alten Treppen warten halbverhungerte Menschen, stumm, geduldig, in ihr Schicksal ergeben, stehen wie in der Kriegszeit die Menschen vor Lebensmittelgeschäften standen, bis sie drankommen, bis die Gemeinde ihnen die karge Unterstützung ausbezahlt.
Diese Unterstützung beträgt maximal 42 Groschen täglich, armselige zweiundvierzig Groschen und das übersteigt bei weitem die Leistungsfähigkeit der Stadt. Und darauf warten die Menschen, stumm, geduldig, in ihr Schicksal ergeben.
Was soll geschehen? Sie wissen es nicht. Was soll geschehen? In den Büros zergrübeln sich die Funktionäre den Kopf, möchten am liebsten ihre Ämter zurücklegen, tun es nicht aus Verantwortungsgefühl. Vielleicht gibt es doch eine Rettung wenigstens darf man die Hoffnung, diese oft genarrte, diese zusammengeschrumpfte Hoffnung nicht aufgeben. Und es tauchen Projekte auf, verzweifelte, notgeborne Projekte, von denen man offiziell lieber nicht spricht, die aber mancher wenigstens für eine Verzögerung des Untergangs hält: das Projekt etwa, letzte Besitzungen der Gemeinde als Lotteriegewinn einzusetzen . . .
Arbeit ins Negative.
Der Bürgermeister Sichelrader, der Vizebürgermeister Azwanger, der Magistratsdirektor, prächtige Menschen, aufrechte Charaktere, erzählen. Sie schildern die Gemeinderatssitzung, in der der Konkurs beschlossen wurde. Offen und rückhaltlos hat der Bürgermeister die Situation dargestellt und seine Worte haben auch die politischen Gegner gepackt. Vierunddreißig Deputationen hat die Stadt Steyr in den letzten fünf Jahren zu den bürgerlichen Regierungen entsandt, immer dringlicher hat sie um Hilfe gebeten, immer deutlicher die kommende Katastrophe vorausgesagt die Regierungen haben mit achselzuckender Höflichkeit nichts getan. Alle Finanzberichte der letzten Jahre, alle Beschlüsse haben die einmütige Zustimmung des Gemeinderates gefunden die bürgerliche Regierung blieb taub, wichtiger als die christlichen Arbeiter waren ihr die jüdischen Bankdirektoren. So kam es zu dem Konkurs; ja, das Wort Konkurs, sagte mit bitterer Ironie der Bürgermeister, wäre ein zu schwaches Wort, eine Verschleierung der Wahrheit; bei Konkursen gibt es doch eine Konkursmasse, die Stadt Steyr aber verfügt über nichts dergleichen. Das Gesamterfordernis des Gemeindehaushaltes beträgt 2,444.400 Schilling, das ist um dreißig Prozent weniger als im Jahre 1925, in dem noch nicht so viele Arbeitslose und Hoffnungslose zu versorgen waren. Diesem Erfordernis steht eine Bedeckung von 1,486.500 Schilling gegenüber.
Es fehlen also 957.900 Schilling. Dabei aber wurde in diesem Budget kein Groschen für Straßen, Wohnungen, Bäder, öffentliche Anlagen, Ausgestaltung der Schulen eingesetzt; die primitivsten Kulturansprüche wurden nicht berücksichtigt. Trotzdem fehlen 975.900 Schilling. Und wenn man hört, daß die Lohnabgabe allein um 500.000 Schilling, daß die anderen Abgaben um 300.000 Schilling zurückgegangen sind, begreift man das, ohne lange rechnen zu müssen. Wir sind unter den Nullpunkt hinabgesunken. Wir werden also künftig ins Negative arbeiten müssen!
Erschütternde Worte des ersten Funktionärs einer untergehenden Stadt. Und der christlich-soziale Vizebürgermeister Marktschläger fügte hinzu: Mit den Steyrwerken lebt oder stirbt die Stadt. Wenn wir einmal die Hoffnung begraben müssen, daß da oben in den werken jemals wieder die vielen tausend schaffenden Hände tätig sein werden, dann würde sich wohl die Erkenntnis aufdrängen, daß die Bevölkerung von Steyr für die vorhandenen Existenzmöglichkeiten um 6000 oder 8000 Menschen zu groß ist. Und diese bedauernswerten Mitbürger hätten dann wohl kein stärkeres Interesse, als diese Stadt der Armut zu verlassen. Und die Steyrwerke bauen in dieser Woche wieder siebzig Arbeiter ab. Wohn sollen sie gehen, Herr Vizbürgermeister? In den Tod . . .?
Fürsorgestation, nicht wahr?
Und dann berichtete Vizebürgermeister Azwanger, dem die Fürsorge anvertraut ist: Die Stadt hat 22.000 Einwohner. 11.750 sind gezwungen, die öffentliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um nicht buchstäblich Hungers zu sterben. Mehr als die Hälfte der Einwohner sind ausgeschaltet aus Arbeit und Verdienst - und die anderen gehen mit ihnen zugrunde. 1100 Menschen sind ohne jedes Einkommen, ohne irgendeine Rente, irgendeine Unterstützung; 400 dieser Menschen sind Familienerhalter. Sie leben nur von der Gemeindeunterstützung; sie beträgt drei Schilling in der Woche. - Fürsorgeinflation, nicht wahr? Neunzig Prozent aller Kinder in Steyr sind furchtbar unterernährt, die Tuberkulose wütet unter ihnen, zerfrißt ihre Lungen, ihre Knochen, ihre Kehlköpfe. Trotzdem kann die Gemeinde für Gesundheitswesen nur 11.000 Schilling ausgeben, die Hälfte davon für die Tuberkulosenfürsorge. Und keinen Groschen für Bäder, Krankenhäuser, körperliche Ertüchtigung - Fürsorgeinflation, nicht wahr?
Hunderte Kinder leben in Steyr, die als Nahrung einmal am Tag eine Schale Tee bekommen, sonst nichts, hunderte Kinder, die keine eigene Schlafstelle haben, viele, die nicht die Schule besuchen können, weil sie keine Kleider haben. Es gibt Menschen, die tagelang im Bette liegen, weil sie weder Holz noch Kohle noch Kleider noch Schuhe haben. Es gibt Familien, deren einzige Kost seit Monaten Wassersuppen sind, weil sie nicht einmal Kartoffel kaufen können.
900 Ausgesteuerte (106 sind Familienerhalter), 2028 Notstandsunterstützungsbezieher (855 sind Familienerhalter) müssen immer wieder unterstützt werden - mit Beträgen von 40 Groschen. Fürsorgeinflation, nicht wahr? Und selbst diesen Bettel kann die Stadt kaum noch leisten.
Der Hunger wartet an der Tür . .
Das ist die Bilanz des Grauens. Aber die Ziffern haben Fleisch und Blut, freilich nur wenig Fleisch mehr und wenig Blut, die Ziffern stehen in den Gängen, auf den Treppen, bis auf die Straße hinaus, Gespenster des Hungers, Kolonnen des Unterganges. Zwei Beamte und der Vizebürgermeister Azwanger haben von ½ 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags nichts andres zu tun, als Unterstützungen auszubezahlen. Tag für Tag, in gräßlicher Monotonie. Und Tag für Tag fühlen sie ihre Ohnmacht, müssen sie sich mit scheinbarer Härte wappnen, müssen sie Männer und Frauen, denen der Tod aus den Augen schaut, abweisen, weil sie bereits um dreißig, vierzig Groschen zu viel bekommen haben. In großen Gefäßen liegt Hartgeld, sechshundert Schilling waren es um ½ 8 Uhr früh, und jetzt, um 11 Uhr, sind noch zwanzig Schilling da - und noch hundert Menschen, die stundenlang gewartet haben. Ein junger Proletarier: er hat Frau und Kind und siebzehn Schilling Notstandsunterstützung monatlich. Von diesen siebzehn Schilling muß er sechs Schilling Zins und zehn Schilling Alimente zahlen; bleibt - ein Schilling zum Leben. Eine Proletarierin: der Mann hat sie im Stich und ihr vier Kinder auf dem Halse gelassen. Die Gemeinde gibt ihr monatlich vierzig Schilling; wenn die Mutter von der Luft lebt, sind das für jedes Kind dreiunddreißig Groschen täglich. Eine andere Frau: drei Kinder, zehn Schilling Erziehungsbeitrag im Monat, drei Schilling Unterstützung wöchentlich. Ein Arbeitsloser: er hat eine Frau und zehn Kinder zu erhalten, bekommt im Monat von der Gemeinde fünfzig Schilling Bargeld und Lebensmittelanweisungen für dreißig Schilling. Zwölf Menschen leben davon. Und so geht das weiter, immer weiter, und viele haben umsonst gewartet, weil die Gemeinde nicht mehr geben kann, als sie hat; und das Erschütternde: diese armen Menschen begreifen das, schreien nicht, toben nicht, schleichen still, mit hochgezogenen Schultern davon, mit Augen, in denen das Nichts sich spiegelt.
Zwölf Menschen in vier Betten.
Ein altes Gebäude, kalte, feuchte Mauern, ein Labyrinth von Treppen und Gängen, Modergeruch der Vergangenheit: das Gemeindelazarett. In diesem Gemeindelazarett sind 38 Erwachsene und 30 Kinder untergebracht. Die Gemeinde möchte ihnen hellere, gesündere Wohnungen zuweisen, aber sie kann es nicht, und besser in einer Steingruft zu schlafen als unter freiem Himmel. Wir treten in ein großes Zimmer: vier elende Betten, an den Wänden Heiligenbilder, ein Vogelkäfig und Feuchtigkeit, ein winziger Herd, auf dem etwas Undefinierbares gekocht wird. In diesen vier Betten schlafen zwölf Menschen, ein Mann, eine Frau, zehn Kinder. Das älteste Kind, ein Mädel, geht in die vierte Volksschulklasse; es hilft der Mutter im Haushalt, wäscht und reibt, kocht und hütet die Kinder. Das dünne bleiche Ding sieht aus, als ob es sieben Jahre alt wäre; nur das graue Gesichtchen ist das einer Frau, auf deren Seele große Verantwortung lastet. Neunzig Prozent der Kinder sind unterernährt, berichtete der Vizebürgermeister; was das heißt, sieht man nun lebhaft vor sich:
Handgelenke wie aus Wachs, blutlos, zerbrechlich, winzige Körper, aus einer durchsichtigen, unwirklichen Materie geformt, fahle Haut, über spitze Knochen gespannt, Gesichter, die nicht jung sind, nicht alt, sondern zeitlos wie der Tod. So wachsen diese Kinder auf, schlafen zu dritt in einem Bett und betrügen ihre Spinnwebkörper mit Tee und schwarzem Kaffe, mit etwas Gemüse und etwas Brot.
Ein nächstes Zimmer: eine alte Frau, der Körper ein einziger Schmerz, der Atem ein asthmatisches Röcheln, an der Nähmaschine sitzt sie und näht. Sie hat das Zimmer gratis und bekommt 7,50 Schilling im Monat. 'Und davon kann man leben?' Ja, sie verdient halt auch mit dem Nähen. Wieviel in der Woche? Halt wenig. Drei Schilling? Zwei Schilling? Sie schlägt die Hände zusammen; so viel? O, da wäre ich froh! Die meisten können ja überhaupt nichts zahlen, sechzig Groschen in der Woche ist ein guter Verdienst. Dafür helfen die anderen ein wenig aus, denn sie kann ja das Zimmer nie verlassen, hat ihren Körper in bitterer Arbeit zugrunde gerichtet. Einer hilft halt dem andern - und alle haben nichts.
Das Obdachlosenheim.
Ein altes feuchtes Gebäude wie das Gemeindelazarett ist das Bruderhaus, in dem die Gemeinde zwanzig Menschen untergebracht hat. Jeder hat ein Zimmer für sich - wenn man das Zimmer nennen darf, diese Zellen, in denen man sich kaum bewegen kann, in denen man sich an die Dimensionen des Sarges gewöhnt, in dem man einst liegen wird. Jeder dieser Menschen hat einen Herd, kleiner als der Puppenherd eines Bürgermädels; von ungefähr fünfzig Schilling im Monat leben sie, kochen sich täglich eine Kleinigkeit und dämmern leise dahin. In diesem Bruderhaus befindet sich auch das Obdachlosenheim von Steyr; zwei winzige Zimmer, je zwei Betten, das eine Zimmer für Männer, das andere für Frauen. Mehr Raum hat die Gemeinde nicht zur Verfügung; ein obdachloser Mann, eine obdachlose Frau wohnen seit Monaten darin.
Wir sprechen mit einer alten Frau; sie ist Zeitungskolporteurin, läuft bei jedem Wetter durch alle Straßen und verdient im Monat zwei Schilling. Dazu eine Unterstützung von fünf Schilling - das ist alles.
Und da gibt es noch ein altes Gewölbe, in dem schlafen zwei Menschen auf schmutzigen Lagerstätten, in einer bestialischen Atmosphäre. Der Fürsorgeverwalter Doppler, der mich begleitete, ein ganzer Mann, mit einem warmen Herzen und einer ruhigen Sicherheit, erzählt mir, daß er ein paarmal Bettwäsche und Leibwäsche für die beiden beschafft hat. Sie haben das schleunigst verkauft - wer wollte ihnen daraus einen Vorwurf machen? Der Fürsorgeverwalter tut es nicht - aber er muß sie eben in Schmutz und Gestank schlafen lassen. Was bleibt ihm übrig?
In den Baracken.
Wie aber wohnen die Menschen, die nicht in Gemeindegebäuden untergebracht sind? Wir gehen auf den Annaberg; dort ist ein großes Barackenlager. Durch die rissigen Wände bläst der Wind, aus dem Boden kriechen die Ratten und Mäuse, fressen, was sie finden, trockenes Brot und altes Leder, und in den elenden Kammern hausen die Menschen. Acht Menschen in einem engen, zugigen Raum; ein Mann, eine Frau, sechs Kinder. Das älteste Kind ist neuen Jahre, das jüngste sechs Monate alt. Zwei Betten stehen in dem Raum, ein Kinderbett und ein Kinderwagen; in jedem Bett schlafen drei Menschen. Der Mann ist seit vier Jahren arbeitslos; von 60 Schilling im Monat lebt die ganze Familie, Mißtrauen schlägt uns entgegen, das tiefe, berechtigte Mißtrauen der Hoffnungslosen, aber beklemmender noch ist das andre: daß aus dieser Hoffnungslosigkeit schüchterne Hoffnung aufsteigt - ein fremder Mensch kommt zu ihnen. Will er ihnen vielleicht eine Wohnung verschaffen? Endlich eine Wohnung, nach zehn Jahren Barackenelend, Kälte, Ratten und Mäusen? Nein, das kann er nicht, er kann nur schreiben; ach, was nützt das, meinen die Menschen, uns lassen sie doch krepieren, die hohen Herren in Wien. In einem Raum eine alte Frau; sie hat noch Arbeit, schwere, aufreibende Arbeit. Seit einundzwanzig Jahren schuftet sie in einer Schweißerei, packt mit den Fäusten eines Mannes zu, verdient in der Woche ungefähr 25 Schilling. Und die jungen sind arbeitslos. Im nächsten Raum: eine Witwe mit sechs Kindern, arbeitslos sie, arbeitslos die älteste Tochter, die anderen haben keine Hoffnung, je Arbeit zu finden. Von 65 Schilling im Monat, kombiniert aus Arbeitslosenunterstützung und Gemeindeunterstützung, leben die sieben Menschen. Wenn es kalt wird, legen siech die Barackenbewohner ins Bett, decken sich zu, so gut es geht - und warten auf ein Wunder, an das sie nicht glauben.
So leben, so schlafen Menschen ins neue Jahr hinüber.
'Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!.
Aber schlimmer noch sind die Baracken in Ennsleiten, dem ärgsten Elendsbezirk. Der Vizebürgermeister Azwanger erzählt einen Fall; ein Raum, dreimal drei Meter, der Boden zerfasert, zertrampelt, im Sommer verwandelt er sich in üppigen Rasen.
In zwei Betten schlafen sieben Menschen; diese Betten bestehen aus aufeinandergetürmten Kisten. Durch eine Wand sickert ununterbrochen Feuchtigkeit; um die nassen Flecken nicht länger sehen zu müssen, verhüllt die Frau sie mit einer Wanddecke. Auf diese Decke hatte sie einen Spruch gestickt: 'Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.'
Sie haben versucht, sich selbst zu helfen, diese Armen - aber niemand sonst hat ihnen geholfen.
Will man etwa ganz Steyr, diese sterbende Stadt, schonungsvoll mit einer Decke drapieren, auf der geschrieben steht: 'Hilf dir selbst, so hilft dir Gott'? Nun, dann wird diese Decke eine Leichendecke sein, gebreitet über eine steinernes Massengrab, der tödliche Hohn dieser Gesellschaftsordnung: 'Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!' Aber den Aufschrei werdet ihr nicht ersticken, den furchtbaren Aufschrei aus diesem Massengrab: 'Wenn wir zugrunde gehen, habt ihr uns gemordet!' Denn zu wissen, was dort in Steyr geschieht, und nicht zu helfen, das ist Mord. Will die Regierung diesen Mord verüben?
Arbeiter Zeitung, 1. Jänner 1932, Nr. 1, Seite 4