LISL PONGER
Im Internet
In der Welt und doch in Österreich - Fotoarbeiten von Lisl Ponger in der AK
Wien
- Also da gibt es die Fotografin im Großwildjäger-Outfit, versehen mit den Accessoires des Exotischen. Da sitzt Lisl Ponger mit dem Blumenstrauß und Meinl-Mohr-geschmückten Mantel vor der Wandmalerei vom Kilimandscharo - Out of Europe, so der Titel. Ponger bleibt aber in Österreich und ist doch mit ihren Versatzstücken in der weiten Welt unterwegs.Lisl Ponger versucht, uns die Konstruktion des Exotischen vor Augen zu führen, mit ihren leicht irritierenden Selbstinszenierungen eben auf das Konstruieren dieses Bildes in Europa zu verweisen. Nun gut, wir haben verstanden, wir werden uns weiterhin politisch korrekt verhalten, weil wir ja wissen, dass wir uns mit touristischen Blicken Afrika und dem Orient nähern. Denn wir sind ja wissend, und diejenigen, die es nicht sind, werden von der Künstlerin belehrt. Nicht besonders witzig, dieser erhobene moralische Zeigefinger.
Die Fotografin geht aber über diese plakativen Aussagen zum Thema Exotik und kolonialistischer Vorherrschaft hinaus. Sie zitiert vielfach den Stil der Studiofotografie des 19. Jahrhunderts, erinnert auch an den frühen Henri Cartier-Bresson und die lapidaren 70er-Jahre Dokumentationen.
Was kann man nun aus der Serie "Made for Europe" lernen? Der Blick zurück lohnt sich nicht immer, wenn die Aussagen über das Machtverhältnis zwischen Fotografen und Fotografierten in den fotohistorischen Zeitschriften zu Tode analysiert worden ist.
Wenigstens eine Brise Ironie würzt die ältere Bilderreihe "Xenographische Ansichten". Wir wollten ja immer schon Indianer, Schotten oder andere Arten von "Eingeborenen" spielen. Ponger hat einigen ÖsterreicherInnen die Gelegenheit geboten, in ihre exotischen Rollen zu schlüpfen. Bilder und Texte reflektieren das Kindliche im Erwachsenen, selbst wenn es gar nicht so sicher erscheint, ob die angelernten Klischees wirklich aus den Gehirnen verschwunden sind.
Spiele, Rituale finden aber auch im "Fremden Wien" statt. Lisl Ponger fotografierte Immigranten bei verschiedenen Festen, reist wieder durch die Welt, ohne Wien zu verlassen, weil das in multikulturellen Zeiten gar nicht mehr notwendig erscheint, denn die Bilder entstehen ohnehin im Kopf. Gert Walden
"Out of Austria" - Fotoarbeiten von Lisl Ponger, AK Bildungszentrum, Wien 4., Theresianumgasse 16, werktags 8.00 - 19.00, bis 30. 3. 2001